Sie durchdringt unsere nüchterne Wirklichkeit und ist allgegenwärtig, zumindest für das keltische Erbe der Schotten. Da wimmelt es nur so von Wesen in Wald und Flur und Wasser, die auf die Menschen Einfluß nehmen können.
Am bekanntesten und immer noch aktuell ist wohl das Monster im Loch Ness. Viel gesucht, nie gefunden und liebevoll „Nessie“ genannt, weiß wohl jedermann von ihm. Die Legende erzählt, daß der Heilige Columban im 6. Jahrhundert ein Ungeheuer im Loch Ness gebannt haben soll, als es einen Mann angriff. Auch im 17. Jahrhundert gab es angebliche Sichtungen und es soll einmal sogar an Land gestiegen sein und 3 Männer erschlagen haben. Die richtige Hysterie brach aber im 19. und 20. Jahrhundert aus und nach wie vor gibt es Menschen, die davon überzeugt sind, daß ein Plesiosaurier-artiges Wesen im See lebt.
Richtige Anderweltwesen sind aber die Kelpies. Sie leben im Wasser und zeigen sich immer wieder als wunderschönes Pferd oder ein besonders schöner und attraktiver Mensch. Ihr Ziel ist es, Menschen ins Wasser und in den Tod zu locken.
Selkies sind Robbengeister, die an
Land ihre Haut ausziehen und sich in Menschen verwandeln. Es
gibt zahllose Geschichten über die Liebe zwischen Selkie und
Mensch, die alle traurig enden. Wenn man es schafft, die Haut
der Selkiefrau zu verstecken, muß sie als Mensch weiterleben
und wird, getrennt von ihrer Sippe, über kurz oder lang
sterben. Auch übelwollende und abergläubische Menschen töten
Selkies.
Der Clan MacCodrum von den Äußeren Hebriden führt seine Abkunft
auf die Ehe zwischen Selkie und Mensch zurück, denn in diesem
Clan werden immer wieder Kinder mit Schwimmhäuten zwischen
Fingern und Zehen geboren.
Feen sind nicht unbedingt liebliche gute Geister in Frauengestalt. Wie in der Menschenwelt gibt es Frauen und Männer. Sie haben wenig eigene Nachkommen, das ihrem extrem langen Leben zu verdanken ist, und daher holen sie sich unter Umständen auch menschliche Babies und ziehen sie als Feenkinder auf. Es gibt auch verschiedene „Berufe“ im Feenreich:
Eine Banshee ist eine Todesfee, die mit ihrem Schrei den baldigen Tod eines Menschen ankündigt. Man sagt auch, daß allein ihr Schrei schon tötet.
Die Bean Nighe ist eine total grün gekleidete Fee, die das Hemd eines Todgeweihten wäscht. Siehst du sie im Wald an einem Bach eines deiner Kleidungsstücke waschen, dann weißt du, daß du in kurzer Zeit sterben wirst.
Ja, und dann gibt es noch die Quellgeister: Feen, die in kleinen Bächen und Quellen leben und ihren Badeplatz in den von Wasserfällen gebildeten Teichen haben. Ja, diese Feen tun nur Gutes, sie halten das lebenswichtige Wasser rein und klar und sorgen dafür, daß diese Bäche nie austrocknen. Man beschenkt sie mit Kleidungsstücken und Blumen und auch mit kleinen Münzen, die man in Baumstrünke steckt. Wer auf schottischen Streifzügen auf einen Wald stoßt, an dessen Bäumen Kleidungsstücke, Schuhe, Spielzeug etc. hängen, der hat nicht weit zur nächsten Quelle ….
Brownies sind kleine Kobolde, die im Haus leben und nachts die Hausarbeit für die Bewohner erledigen. Sie sind mit kleinen Geschenken und einer Schale Milch zufrieden. Gibst du ihnen aber Kleidung, verlassen sie das Haus sofort und kommen nie wieder zurück.
Da gibt es auch noch die Redcaps, kleine häßliche Kobolde, die ihren Hut in Blut tauchen, um ihr Leben zu verlängern. Man findet sie immer dort, wo es besonders blutig herging und viele Menchen eines gewaltsamen Todes starben.
Das sind nur einige Beispiele für die reiche
Anderweltbevölkerung Schottlands. Nicht alle sind böse, es gibt
auch freundliche Helfer, die man allerdings auch ehren und
beschenken muß. Es gibt auch besondere Tage, an denen die Tore
zur Anderwelt offenstehen … wie z.B. an Samhain.
Schottland ist wie Irland ein mystisches Land und in den schottischen Highlands spürt man das auch.