Die Highlands sind - zumindest auf dem “Festland” und auf Skye
- perfekt auf Tourismus eingestellt. Das bedeutet, es gibt
praktisch überall, außer in den ganz kleinen Ansiedlungen ohne
Sehenswürdigkeiten, Unterkünfte aller Preisklassen, vom
einfachen Bed & Breakfast über selfcatering Cottages und
Apartments bis zum komfortablen Hotel. Aber man kann sich nicht
darauf verlassen, jederzeit ein Bett zu kriegen: Schottland ist
(wie heißt es so schön?) mega-in, schlicht und einfach voll.
Vor allem die Highlands sind von Mai bis zumindest Ende
September praktisch ausgebucht. Es empfiehlt sich auf jeden
Fall, einen Urlaub in den Highlands gründlich zu planen und die
Unterkünfte im vorhinein zu bestellen - und zwar wenigstens
drei oder vier Monate vorher.
Es gibt eine Menge Anbieter, viele auch privat mit eigenen
Websites, nicht nur Booking.com oder Tripadvisor. Auf meinen
Linkseiten gibt es etliche Links zu soliden Anbietern.
Buchungen sind gewöhnlich einfach, genau wie auch in anderen
zivilisierten Ländern. Auch wenn man über einen großen
Anbieter, wie Tripadvisor etc bucht, ist es eine schöne Geste,
ein paar Worte über sich selbst einzufügen. Die Schotten sind
im allgemeinen sehr gastfreundlich, sehr offen und
aufgeschlossen. Allerdings sind viele Gastgeber im Tourismus
inzwischen keine Schotten, sondern pensionierte Engländer, die
sich in der Rente ein neues Standbein geschaffen haben (und
ihre Kredite über die Einnahmen aus Vermietung abzahlen).
Freundlich, hilfsbereit und nett sind sie alle, aber nicht alle
Engländer haben sich von der Unkompliziertheit der Schotten
anstecken lassen.
Wie schon erwähnt, gibt es im Binnenland der Highlands aus
historischen Gründen nur ganz wenige Orte. Die meisten
Ansiedlungen befinden sich an den Küsten, meist aber nur kleine
Ortschaften mit gerade mal 100 oder 200 Einwohnern. Die
meisten, “village” gennanten Ansiedlungen sind Streusiedlungen,
das heißt, die Häuser sind über große Landstriche verstreut.
Die Ursache ist die Entstehung dieser Orte: Es sind eigentlich
einzelne Gehöfte mit Weideland, das als Weidegemeinschaft
genützt wurde. Ein extremes Beispiel dafür ist die Halbinsel
Stoer, aber auch Abriachan oberhalb von Loch Ness gehört dazu,
ebenso Invergarry und noch viele andere. Das führt dazu, daß
Postamt, Schule und Kirche meist ganz einzeln irgendwo im
Nirgendwo zu finden sind - total überraschend für
Mitteleuropäer.
Und wo kriegt man was zu Essen?
In den Städten gibt es Hotels, Restaurants, Bars, Cafes, Pubs
etc. und man erhält überall mittags, gewöhnlich ab 12.00 Uhr,
einen reichhaltigen Lunch. In größeren Orten auf dem Lande
findet man auch immer wieder einen netten Inn (Gasthof). In den
winzigen Küstenorten gibt es meist einen Tearoom (oft mit
angeschlossenem Laden), da ist das Angebot allerdings recht
eingeschränkt. Oder man findet eine Community Hall mit einem
Cafe oder Tearoom, wenn die geöffnet haben, gibt es auch hier
einen einfachen Lunch. Diese Lokale sind gewöhnlich sehr
einfach, aber die Menschen sind ungemein freundlich und nett
und das Essen ist gut. - Das hat sich in den letzten 6 Jahren
sehr geändert: Restaurants wachsen buchstäblich aus dem Boden
und die Tearooms verschwinden bzw. sind fast ganz
verschwunden.
Das Essen in Schottland ist sehr schmackhaft. Man findet bei
genauerem Hinsehen den Einfluß Frankreichs in der schottischen
Küche: die Verwendung von Gewürzkräutern ist ganz normal und
allgemein gebräuchlich. Leider wirkt sich auch hier der
wuchernde Tourismus negativ aus: Lunch wurde zum Fastfood und
die Qualität in den aus dem Boden gestampften Restaurants läßt
leider zu wünschen übrig. Der Individualreisende sollte lieber
nach einem alteingesessenen Inn suchen … Übrigens: die
Öffnungszeiten der modernen Restaurants können traurige
Überraschung auslösen: viele öffnen erst nachmittags und bieten
keinen Lunch - Mittagessen - mehr an.
Ach ja, und der vielgeschmähte Haggis ist eine Delikatesse. Man
ißt ihn in vielerlei Form, auch als Füllung für Huhn - aber am
besten schmeckt mir immer noch die traditionelle Kombination:
Haggis, Neeps and Tatties: Haggis, Rüben und Kartoffeln. Wer
heute noch sagt, daß Haggis schrecklich ist, der hat das blind
abgeschrieben und noch keinen gegessen.
Aber die schottische Küche hat viel mehr aufzubieten als Haggis
und Fish and Chips - ausprobieren! Sogar die Suppe im Tearoom
der Community Hall schmeckt würzig und delikat! Und wenn es
danach noch Scones gibt …. hmmmmmmmm! Sofern man noch so einen
Tearoom findet :(
Also - suche dir ein nettes Lokal und probiere - aber wundere
dich nicht, wenn du hinterher so satt bist, daß du dich nicht
mehr bewegen magst - die Portionen sind meist riesig! Und die
Preise? Sehr moderat. Etwa gleich wie bei uns, allerdings in
Pfund, also immer noch eine Spur höher.
Das schottische Frühstück ist nicht zu Unrecht weltberühmt. Für
kleine Esser ist es nicht zu bewältigen und wenn Jemand nicht
gern viel frühstückt, sollte er die Finger davon lassen. Dann
sollte er sich nur Toast bestellen, denn Marmelade und Butter
sind sowieso immer auf dem Tisch. Oder Eier, die macht jede
Hausfrau, jeder Koch. Also, was gehört dazu?
Erst einmal Porridge - Haferflockenbrei (wahlweise in Wasser
oder Milch gekocht) mit eingemachten Früchten und Honig oder
Sirup, danach ein Teller vollgeladen mit:
•einem Ei, gebraten
•mindestens einer Scheibe Schinken oder Schinkenspeck
•einer Scheibe Black Pudding - das ist eine Art gebratene
Blutwurst, schmeckt köstlich, manchmal ist auch White Pudding
dabei, von dem bin ich nicht begeistert, ist mir
langweilig
•Baked Beans - gekochten Bohnen in Tomatensauce
•sautierten Pilzen
•einem Tattie Scone - einer Art Kartoffelpuffer
•gebratenen Tomatenhälften, meist mit Käse überbacken
•und natürlich mindestens einem Frühstückswürstchen, die in
Schottland würzig sind, anders als in England.
Außerdem wird gewöhnlich Joghurt angeboten und eingemachte
Früchte und Honig und Marmelade, Fruchtsäfte etc. Dazu wird
frisch gerösteter Toast serviert. Wer da nicht satt wird, dem
ist nicht zu helfen!
Und das Frühstücksgetränk? Kaffee oder Tee, wobei der Kaffee
wirklich gut ist und der Tee sowieso eine Freude. Irgendwo in
Schottland haben wir den Spruch gelesen:
“We are not Paris or Rome or Wien but we have a coffee
culture!” Und das stimmt!
Also: lasse es dir gutgehen in einem der netten B&B’s oder
einem netten Hotel und genieße deine Mahlzeiten, vom Scottish
Breakfast über einen netten kleinen Lunch bis zum großen
Dinner.