Grundsätzlich gelten die Highlands als Wanderparadies. Es gibt
zahllose, im allgemeinen gut marktierte Wanderwege und -
allerdings nicht viele - kleine Hütten, Bothy genannt, zum
Übernachten. Auch internationale Weitwanderwege führen durch
das Schottische Hochland, sie sind naturgemäß gut dokumentiert
und markiert.
Wer sich für Wanderrouten interessiert, sollte in Walkhighlands
reingucken. Sie sind auch auf Facebook. Das ist die für den
Wanderer nützlichste Seite, die wir kennen.
Allerdings gibt es auch in den Highlands für Wanderer ein paar
wichtige - überlebenswichtige! - Regeln:
•Geh nach Möglichkeit nie allein. Du könntest einen Unfall
haben und Handy und GPS sind im Inneren der Highlands sehr oft
stumm. Auch der Begleiter kann unter Umständen mal einen ganzen
Tag wandern müssen, bis er eine Verbindung kriegt oder ein
bewohntes Haus findet.
•Rüste dich ordnungsgemäß aus. Feste, wasserdichte Schuhe, am
besten zumindest knöchelhoch, sind Voraussetzung, ebenso Regen-
und Windschutz-Kleidung. Trockene Unterwäsche sollte immer
dabeisein, auch warme Pullover.
•Ein leichtes Zelt und ein Schlafsack sind für Weitwanderer
nötig, denn meist gibt es keinerlei Unterschlupf unterwegs.
Bothies (kleine Schutzhütten, nicht bewirtschaftet) sind
inzwischen zwar viel häufiger, aber man kann sich trotzdem
nicht darauf verlassen, daß es grad in der Nähe eines gibt …
oder daß es nicht schon voll ist.
•Verbandszeug, Wasserbehälter, Topf und Feuerzeug gehören in
den Rucksack, genauso wie genügend Proviant für ein paar Tage.
Auch ein Kompaß, so man damit umzugehen versteht, kann von
Nutzen sein.
•Die Benützung der Bothies ist frei. Bedingung ist, sie genauso
zu hinterlassen, wie man sie vorgefunden hat, also auch die
Holzvorräte zu ergänzen. Achtung: in einem Bothy gibt es keine
Lebensmittel, die würden zu schnell verderben. In manchen gibt
es auch kein Brennmaterial.
•Bewirtschaftete Hütten wie in den Alpen gibt es nicht. Der
Wanderer ist auf sich selbst gestellt. Ausnahmen: einfache
Ausflugsziele für Touristen. Aber das sind keine Wanderwege,
sondern meist Rundwege von maximal ein oder zwei Stunden. Auch
da sind Imbisse etc sehr selten.
•Unterschätze die Route nicht und überschätze deine Kräfte bzw.
Übung nicht. Das gilt allerdings überall, nicht nur in den
Highlands.
•Hinterlasse in deinem letzten Quartier immer deine
Wanderroute. Man findet dich so leichter, falls mal etwas
passieren sollte. Diese Regel gilt nicht nur für die Highlands
…
•Ach ja, hinterlassen. Hinterlasse keinen Müll, nimm dein Zeug
wieder mit, leergegessen und -getrunken ist es ja auch viel
leichter, nicht wahr?
“Leidiges” Thema Wetter:
Das Wetter der Northern Highlands wird zumeist vom Atlantik
bestimmt. Das bedeutet, es kann blitzschnell wechseln. Wir
haben innerhalb einer halben Stunde schon alle 4 Jahreszeiten
erlebt, vom hellen Sonnenschein über Regen und Hagel und einen
Schneesturm bis zum wiederkehrenden Sonnenschein. Deshalb ist
wetterfeste Kleidung unbedingt nötig. Allerdings ist es selten
eiskalt, denn der Golfstrom macht die Luft seidenweich und läßt
die Temperatur wärmer erscheinen als bei uns, zumindest auf der
Atlantikseite. Die Nordseetemperaturen fühlen sich an wie bei
uns. Worauf man unbedingt gefaßt sein sollte: Wind. Der geht -
fast - immer. Wenn es windstill ist, dann können die Midges
unangenehm werden.
Abseits der Wanderwegs ist der Boden meist moorig-sumpfig. Auch die Wege sind sehr oft, zumindest stellenweise, schlammig, aber nicht so tief wie abseits. Sie sind mit dem entsprechenden Schuhwerk gut begehbar. Turnschuhe oder Sneakers reichen nicht aus.
Man sollte sich durch die “geringen” Höhen der Berge nicht täuschen lassen: man geht oder steigt oder klettert von Null auf die angegebene Höhe, also 900m Höhe sind auch 900m Höhenunterschied. Auch wenn die Berge harmlos aussehen: die Steige sind oft anspruchsvoll und ausgesetzt. Es sind immer Felsberge und entsprechend wechselhaft ist das Gelände auch.
Das Land ist grundsätzlich felsig, allerdings ist es klimabedingt sehr wasserreich und das macht sich auch auf den Hängen bemerkbar: üblicherweise sind sie, wo nicht der nackte Fels zutage tritt, mit Moospolstern bedeckt, zwischen denen Wasser steht und rinnt. Es empfiehlt sich absolut, auf den Wegen zu bleiben. Nicht überall, wo ein Schaf wandert, ist es für einen Menschen gut zu gehen. Schafe queren auch Moore, die für den Menschen zu tief sind.
Ein Tip: Wollgras steht immer in Wasser oder sehr tiefem Boden! (Aber nicht in jedem Moor steht Wollgras …)
Noch leidigeres Thema Midges
Midges werden auch der Fluch Schottlands genannt. Es sind
winzig kleine Stechmücken, die in hellen Scharen über den
Wanderer herfallen (natürlich auch über die Wildtiere und
manchmal sieht man auch Pferde, die regelrecht eingehüllt und
deren Augen verhüllt werden, als Schutz vor diesen kleinen
Biestern). Luftfeuchtigkeit und Windstille lieben sie, dann
kommen sie aus dem Gebüsch und freuen sich über jeden
Warmblüter, der in ihrer Reichweite ist. Bedeckter Himmel ist
auch gut für sie, Sonnenschein und Wind können sie nicht
leiden.
Es sind die Weibchen, die das Blut brauchen, damit sich ihre
Brut entwickeln kann. Aber sie treten in solchen Scharen auf,
daß sie überall hineinkriechen, Augen, Ohren, Nase, Mund, eine
Qual, selbst wenn sie nicht beißen.
Sie treten auf, sobald die Luft warm wird - über 10°C, also von
April bis Oktober. Ihre Hauptzeit aber ist gewöhnlich Ende Mai
/ Anfang Juni und Ende Juli / Anfang August. Es gibt im
Internet etliche Websites mit einer Vorschau, wo die Midges
gehäuft auftreten, z. B. Smidge-Forecast, oder man läßt BBC
Scotland laufen, Ihre Nachrichtensendung enthält auch eine
Midges-Vorhersage.
Was hilft gegen diese Quälgeister?
Avon Skin so soft - angeblich setzen sie sich zwar auf die
Haut, beißen aber nicht. Aber ich mag sie auch nicht auf meiner
Haut - und atme sie schon gar nicht gern ein.
Smidgeup - soll wirklich gut sein.
Autan hat sich nicht so gut bewährt.
Beides gibt es auch bei Amazon. Dort werden auch Mückennetze
für den Kopf, mit und ohne Hut, angeboten. Das verhindert
wenigstens, daß die Winzteufel in Augen, Nase und Mund
kriechen.
Einen - kleinen - Trost gibt es: diese Teufelchen sind der Beweis, daß die schottische Landschaft nicht vergiftet ist mit Pestiziden. Ist das ein Trost?
Wir wünschen allen Wanderern einen sicheren Weg, wunderschöne Erlebnisse, gutes Wetter und eine glückliche Ankunft!